verfasst 1888 - 1968 von den Lehrerinnen und Lehrern, aus dem Original transskribiert von Edwin Michels Für die Überlassung der Agethorster Fotografien danken wir herzlich der Agethorster Chronistin und Archivarin Frau Silke Heesch sowie der Familie Mahncke, den heutigen Eigentümern des Schulgebäudes. "Jede Schule hat ihre Geschichte, so gut wie jedes Dorf, jede Stadt, jedes Land. Innigst verknüpft mit der Geschichte der Schule ist die des Dorfes, daher dürfte es nicht unangemessen sein, wenn ich über die Dorfschaft Agethorst einiges vorausschickte. Die ersten Bewohner unseres Dorfes scheinen sich von Viehzucht ernährt zu haben, hierzu bestimmte sie die Lage ihrer Wohnungen. Die grasreichen Fluren im Westen gewährten der Herde im Sommer reichliche Nahrung, während die östlich sich in Agethorst ziehenden Wiesen den Wintervorrat lieferten. Es soll hiermit nicht gesagt sein, das im 17ten und 18ten Jahrhundert nur Hirten hier gewohnt haben. Die besonders fruchtbaren Stellen sind auch bebaut worden. Mit der wachsenden Einwohnerzahl ist die Bodenstruktur immer weiter fortgeschritten, so das zu Anfang unseres Jahrhunderts, zur Zeit der Befreiungskriege als die Russen die Dörfer plünderten und verheerten, nur mehr eine Schafherde auf Kosten der Gemeinde auf dem mageren zum Ackerbau weniger geeigneten und größtenteils mit Heidekraut bewachsenen Boden gehütet wurde. Die einzige Stelle, woraus mir die ältesten Kenntnisse über die Agethorster Schule fliesten, sind die Noten der Schenefelder Kirchspielvogten und des dortigen Pastorats. Darin heißt es Votum vom 25. Mai 1797 wie folgt: Da nach dem Amts.-Regentarchiv vom 3.Oktober 1750 in der Mitte von Agethorst und Nienbüttel ein Platz zum Schulhause und Kohlhofe abgestochen, so habe ich die Eingesessenen zu Agethorst, weil sie ein Schulhaus im Dorfe haben, vorgefordert, und es erschienen der Bauervogt Hans Rehder und die beiden Eingesessenen, Reimer Struve und Heinrich Behrenberg aus Agethorst und baten folgende Aussage: Sie hätten von ihren Vorwohnern gehört, daß die Bauerlagen Agethorst und Nienbüttel sich vereinigt hätten, das Nienbüttel und Kohlenbek für dasjenige Geld, welches Se. Majestät der König dazu hergegeben, ein Schulhaus erbauen wollten, und die Agethorster Eingesessenen hingegangen aus ihren Mitteln ![]() Eine Dorfschule im 18.Jahrhundert In einem Bericht des Schenefelder Predigers an das Kirchenvisitatorium über verschiedene Schulen des Kirchspiels heißt es unter anderen über Agethorst: Agethorst anbelangend, so weiß ich kaum wie ich mich darüber äußern soll. Die Kinder können wegen einiger Wasserbäche im Winter nicht nach anderen Dörfern hingehen, und doch möchte dieses Dorf für einen eigenen Distrikt schier zu klein sein. Sollte es nicht beifallswürdig sein, wenn ich vorschläge, das Agethorst für den Winter seine bisherige Verfassung behielte, aber verpflichtet werde, im Sommer die Kinder nach Nienbüttel zu schicken, welches, da jenes so dann das halbe Schulgeld bezahlen müßte, zugleich eine wünschenswerte Beihilfe für den gedachten ebenfalls nur kleinen Nienbüttler Distrikt sein würde. Die Schülerzahl in Agethorst beträgt 14. Schenefeld, den. 29.Juli 1811 ![]() Unterthänig gehorsamst Dr. Schröder, Pht.Nach einem Verzeichnis sämtlicher Schulen des Kirchspiels Schenefeld sind Agethorst, Siezbüttel und Seefeld unter den Namen „Klippschulen"* aufgeführt - hernach sind Agethorst Alimente an Geld oder sonstige Natural-Prästanda nach dem Regulär 1750 beigelegt worden: 33 MP, freie Schlafstelle, auch Essen und Trinken. Die Höhe der Einkünfte im Gelde geschätzt sind 37 Rth. 97 ["Rth."= Reichsthaler ]. Aus dem Distrikt besuchen 10-12 Kinder die Schule. Der Lehrer hält von Michaelis bis Ostern Schule in einem dem Schuldistrikt gehörenden Hause. ![]() ![]() Schenefeld, d. 31.März 1804 ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() N.E. Kühl Kirchsp.![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Schröder Pst.
© Agethorst
> 1797 - 1811 <
> Volkszählung von 1803 >
> Volkszählung von 1803 >
> Volkszählung von 1803 >
> Volkszählung von 1803 > Über die Klippschulen* in hiesiger Gremmien. 1. Sie bestehen bis jetzt in folgenden Dorfschaften, Todenbüttel, Maisborstel, Waringholz, Hadenfeld, Kaisborstel, Agethorst, Mehlbek, Brokhorst, Aasbüttel, Siezbüttel, Seefeld - Dörfer, die teils wirklich zu klein sind, um einen Schullehrer nach der Verordnung oder Regultur zu halten, theils Unvermögenhelt vorgeben. 2. Derselbige Etat oder Einrichtung Ist durchaus verwerflich. Der Lehrer hat nur ein Gehalt zwischen 6 und 10 Rhtlr. [= Reichsthaler] nebst der mensa ambulatoria (umgehender Tisch) und eine unentgeltliche Schlafstelle, wird nur für den Winter angenommen und aus allerlei gewöhnlich unzureichenden Ursachen und Absichten mit jedem Frühjahr, ohne das der Pastor es zur Zeit erfährt, wo sich's noch verhindern oder ändern ließe, entlassen. Auf diese Weise trennen sich in diesen Arten von Schulen Lehrer und Schüler gerade dann jährlich, wenn sie sich eben gegenseitig kennen und nützen lernen, und die Kinder fangen mit jedem Herbste ihre Übungen und den Unterricht von vorne an, daher sie denn sehr natürlich zur Konfirmationszeit da sind, wo in ordentlich bestellten Schulen Kinder am Schlüsse des ersten Schuljahres zu sein pflegen. Dies ist eine völlig begreifliche Erscheinung, wenn man bedenkt, das durch die Sorglosigkeit der Interessenten einer solchen Art von Schule erst im November nach einem zu verdingenden Schulmeister sich umsehen, der dann auch noch immer den Anfang des Unterrichts verspätet; das man nur auf den wohlfeilsten und biegsamsten durchaus nicht auf Geschicklichkeit siehet; das man dem Prediger die Wahl nicht eher anzeigt, wenn nichts mehr geändert werden kann; das ein solches Subjekt den Anleitungen und Zurechtweisungen der Prediger sich leicht entzieht, da er wisse, er werde nach wenigen Wochen den Posten wieder, und zwar gewöhnlich für immer, verlassen; das diese Art von Schulmeister Geschöpfe sind, die gerade, weil sie zu allen übrigen menschlichen Geschäften entweder zu unfähig oder zu träge sind, von der Natur zum Schulmeister gestempelt oder ausersehen zu sein glauben. Kurz, der Bauer gibt sich mehr Sorgfalt in der Wahl seiner verschiedenen Arten von Hirten, die er bedarf, als bei seiner Schulmeisterwahl, lohnt jene auch besser als diese, indem nach täglicher Erfahrung von der Einnahme eines Hirten manche Familie lebt, indeß der Klippschulmeister Einnahme nicht für seine Person zureicht." ![]() Das Schulgebäude von Agethorst (neuerbaut nach einem Brand 1875/76) ![]() Musterplan einer Dorfschule (Ende 18.Jh.) ![]() Einer der wohl letzten Klippschul-Lehrer in Agethorst war Heinrich Schröder, der bei der Volkszählung von 1803 als "Bauernlags-Schulmeister" sowie "Schulmeister und Tagelöhner" genannt wird. Er war 24 Jahre alt, unverheiratet, und wurde zum Haushalt des wohlhabenden Bauern Reimer Struve gezählt. Durch die Volkszählung sind uns alle 72 damaligen Einwohner Agethorsts mit Alter, Beruf, Familienzugehörigkeit etc. bekannt. Schullesebuch von 1777 Diese Schriftstücke geben uns einiges Licht über die damaligen Schulverhältnisse der Dorfschaft Agethorst. " *"Die ersten, unregelmäßig besuchten Schulen im 17. und 18. Jhdt. nannte man Klippschule. Sie wurden insbesondere durch die mangelhaft ausgebildeten und sozial unterprivilegierten Lehrer geprägt." (aus: Peter Martens, Chronik von Wacken, 1997). Eine Klippschule gab es 1797 innerhalb des Kirchspiels Wacken "...nur in Agethorst noch. ... In Agethorst hatten sich so die Zustände von 1700 bewahrt. Erst 1811 wurde in Agethorst die Klippschule aufgehoben." (Johannes Voß, 1903, zitiert nach Peter Martens, Chronik von Wacken, 1997). "Winkelschulen,... in Norddeutschland Klippschulen genannt, waren behördlich nicht anerkannte, privat organisierte Schulen, die seit dem späten Mittelalter in den Niederlanden und in Deutschland aufkamen. Der Besuch war kostenpflichtig und konnte bar oder in Naturalien beglichen werden. Das Lehrpersonal verfügte im allgemeinen weder über fachspezifische noch pädagogische Kenntnisse. Entsprechend vermittelten Winkelschulen in erster Linie sehr elementares Basis- wissen durch Auswendiglernen, vor allem Grundkenntnisse in Lesen und Schreiben. Vorherrschend und akzeptiert war (wie auch später noch) die Anwendung der Prügelstrafe. Auch Platznot und das Neben -einander von mehreren Altersstufen prägten das Bild. ... Ab 1800 wurden in Deutschland die letzten Winkelschulen geschlossen und durch öffentliche Schulen ersetzt." (Wikipedia, WInkelschule) Zeit der Klippschule (bis 1811)
Zeit der Klippschule (bis 1811)
Reichsthaler
Reichsthaler ![]() Heimatbuch des Kreises Rendsburg, Rendsburg 1922, S.643 Schenefeld, Im Dezember 1797 L. F. Schmid Als Reichsthaler (Rthl., rthl., Thl.) wurde eine anfänglich im 16.Jh. geschaffene reale Kurantmünze im Werte von 24 (Reichs-) Groschen oder 36 lübischen Schillingen bezeichnet, die sich dann später zur theoretischen Rechnungseinheit entwickelte. Die Namensbezeichnung entstand aus dem Joachimsthaler Guldiner (Ende 15. Jh.; später kurz „Taler“ oder „Dollar“). Der Gegenwert eines Reichsthalers („Kaufkraft“ bei Lebensmitteln) soll um 1800 ca. 20 Euro entsprochen haben. Im internationalen Zahlungsverkehr wurden Überweisungen in Reichstalern gängig – in Skandinavien z.B. hießen sie Rigsdaler oder Riksdaler. Die Ära der Rechnungseinheit Reichstaler endete im deutschsprachigen Raum mit dem Ende des „Alten Reiches“ 1806, teilweise aber auch erst 1871 mit der Einführung der Mark. In anderen Ländern wie den Niederlanden nationalisierte sich der Reichstaler – in den Niederlanden blieb so die Parität des Jahres 1700 bestehen: 2,5 Gulden waren noch 2001 ein „Rijksdaalder“, vor der Einführung des Euro die höchste niederländische Münze. ein Schulhaus für sich zu erbauen, weil es für ihre Kinder gar zu beschwerlich wäre nach dem Orte, wo das Schulhaus erbaut werden sollte, zur Schule zu gehen, indem sie über zwei Bäche hätten gehen müssen. Die Agethorster Eingesessenen hätten auch schon vor ungefähr 30 Jahren [also um 1765 ] ein Schulhaus aus eigenen Mitteln erbaut, und seitdem mit Genehmigung des Herrn Pastors zu Schenefeld verschiedene Schulmeister gehabt, welche des Winters Schule gehalten und wofür sie den Winter über resp. 5-6 und 7 Rthler [= Reichsthaler] Schulgeld und die Kost gegeben hätten. Sie wünschten, das es bei dieser Einrichtung nach wie vor sein Verbleiben behalten möchte. Sie hatten alles eingekoppelt bis auf dasjenige, welches noch zur Schafweide liege, und worin ein jeder Eingesessenen sein Anteil Land hätte, doch wären noch zwei kleine Moore, ein Platz woraus die Feuerung zur Schule gestochen würde, und ein EXERCIER-PLATZ unterhielt. ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Actum ut hupra in fidem![]() ![]() M.O. Kühl Als Reichsthaler (Rthl., rthl., Thl.) wurde eine anfänglich im 16.Jh. geschaffene reale Kurantmünze im Werte von 24 (Reichs-) Groschen oder 36 lübischen Schillingen bezeichnet, die sich dann später zur theoretischen Rechnungseinheit entwickelte. Die Namensbezeichnung entstand aus dem Joachimsthaler Guldiner (Ende 15. Jh.; später kurz „Taler“ oder „Dollar“). Der Gegenwert eines Reichsthalers („Kaufkraft“ bei Lebensmitteln) soll um 1800 ca. 20 Euro entsprochen haben. Im internationalen Zahlungsverkehr wurden Überweisungen in Reichstalern gängig – in Skandinavien z.B. hießen sie Rigsdaler oder Riksdaler. Die Ära der Rechnungseinheit Reichstaler endete im deutschsprachigen Raum mit dem Ende des „Alten Reiches“ 1806, teilweise aber auch erst 1871 mit der Einführung der Mark. In anderen Ländern wie den Niederlanden nationalisierte sich der Reichstaler – in den Niederlanden blieb so die Parität des Jahres 1700 bestehen: 2,5 Gulden waren noch 2001 ein „Rijksdaalder“, vor der Einführung des Euro die höchste niederländische Münze.
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