Schulchronik von Agethorst 1925 - 1933

Das Kapitel wurde  verfasst  von den  Lehrern Ernst Hencke und Johannes Kirchmann

Sommerhalbjahr 1925 
"2 Mädchen traten am 1. Mai neu ein: Grete Lindemann, Lucie Ramm.
 
Winterhalbjahr 1925/26 
Schülerzahl: 16 Knaben, 16 Mädchen.
Konfirmiert wurden: Alma Hauschild, Magda Wilhelm, Irma Hebbeln, Grete Bielfeld, Artur Jans, Werner Ramm.
Von der Gemeindevertretung und dem

Schulkolleglum wurde die Vergrößerung des Schulzimmers, Umbau der Lehrerwohnung und Schaffung eines Spielplatzes beschlossen. Im Schulhaus soll Warmwasserheizung angelegt werden. Ein Gesuch wurde der Regierung zur Genehmigung des Baues und zur Bewilligung des sogenannten Baudrittels unterbreitet.
 
Sommerhalbjahr 1926
Am 1. Mai traten Rekruten ein: Kate Böge, Kate Lindemann, Johannes Breiholz, Erwin Holmer, Bruno Hauschld, Otto Hauschild. 
In den Sommerferien wurde, nachdem die Regierung dem Gesuch stattgegeben hatte, mit dem Neubau des Schulzimmers begonnen.
 
Winterhalbjahr 1926/27
Schülerzahl: 19 Knaben, 14 Mädchen. 
Der Umbau wurde im Herbst vollendet. 
Den Winter über fand zweimal wöchentlich, je 2 Std., freiwilliger Fortbildungsschulunterricht statt. 
Palmarum wurden konfirmiert: Willi Hauschild, Bernhard Brunn, Herbert Boe, Otto Kruse, Heinrich Solls.
 
Sommerhalbjahr 1927
Schülerzahl: 16 Knaben, 16 Mädchen. Der Unterricht wurde regelmäßig besucht. 
Der Schulrat Lempfert, Hohenwestedt, besuchte die Schule. 
Die Schule machte einen dreitägigen Ausflug nach Ostholstein und Segeberg. 
Am 1. Mai traten als Rekruten ein: Grete Lahann, Mary Breiholz, Hertha Bielfeldt, Willi Pries.
 
Winterhalbjahr 1927/28
Schülerzahl: 16 Knaben und 16 Mädchen. Unterrichtsbesuch regelmäßig. 
Palmarum wurden konfirmiert: Alma Bruhn, Eise Hebbeln, Anna Bielfeldt, Hans Rechlin.

Sommerhalbjahr 1928
Schülerzahl: 16 Knaben, 14 Mädchen. 
Der Schulbesuch war regelmäßig. 
 
Die Schule machte einen Ausflug 
mit dem Autobus durch Nordschleswig. 
 
Nach Ostern traten als Rekruten ein: 
Karl Böge, Hans Holm.

Winterhalbjahr 1928/29
Schülerzahl: 16 Knaben und 14 Mädchen. Der Schulbesuch war regelmäßig. 
 
Konfirmiert wurden: Hans Dammann, Berta Dammann, Hilde Grabbe und Elli Heesch.

Verkehrserziehung damals

Sommerhalbjahr 1929
Neu in die Schule traten ein: Harald Holmer, Irma Lange, Märtha Blelfeldt. Schülerzahl: 17 Knaben u. 13 Mädchen. 
Die Schule machte einen Ausflug nach Brunsbüttel-Cuxhafen.
Am Verfassungstage erhielt der Schüler Max Heesch für Fleiß und Wohlverhalten von der Reichsregierung ein wertvolles Buch

"Blut und Boden", Zeitschrift der den Nationalsozialisten ideologisch nahestehenden Landvolkbewegung (aber auch in anderen Teilen Deutschlands gab es Bauernunruhen)

links: Kofferbombe von einem versuchten Anschlag aus dem

Umfeld des Landvolks auf das Finanzamt Neumünster am 15. März 1930. Am 25. Mai 1929 war das Landratsamt (Kreishaus) in Itzehoe Ziel eines Bombenanschlages gewesen.

Anzeige in den "Itzehoer Nachrichten" am 2.3.1929:
 
&dbquo;Kundgebung. Auf zur Selbsthilfe! Entschließungen, Eingaben, Reden, Proteste sind bisher erfolglos geblieben. Da bleibt uns nur noch die Selbsthilfe. Tausende Bauernhöfe stehen vor der Zwangs -versteigerung. Deshalb sammelt sich das in Not befindliche Landvolk – Bauern – Handwerker – Arbeiter – nationale Beamte – Mittelständler!“

Mit Bombenattentaten gegen öffentliche Gebäude schlug die Landvolkbewegung eine radikale politische Richtung ein (in einem Kapitel der "Jahrhundertstory"werden diese Ereignisse ausführlicher geschildert). Vom ehemaligen Stadtarchivar von Itzehoe, Friedrich Priewe, stammt eine spannende Darstellung vom &dbquo;Aufstand des Landvolks“ in der er ein Beispiel für die Bombenanschläge der radikalen Landvolkvertreter liefert:
 
&dbquo;Am 25. Mai 1929 um 2 Uhr erschütterte ein ohrenbetäubender Knall die Innenstadt Itzehoes. Im Nebeneingang zum Landratsamt war eine Bombe explodiert, hatte schwere Verwüstungen im Gebäude, besonders in der Wohnung des Landrats Göppert im ersten Stockwerk angerichtet; aber auch im Umkreis die Fenster zersplittern lassen. Es war nicht die erste Bombe, die im Bauernland zwischen Ost- und Nordsee explodierte, aber blitzartig erhellte sie die revolutionäre Szene in Preußens nördlicher Agrarprovinz. Drei leichtere Anschläge waren schon vorausgegangen, in Beidenfleth, Hollingstedt und Wesselburen.
 
Wer steckte hinter diesen Terrorakten, die im Sommer 1929 die deutsche Öffentlichkeit in Atem hielt? Die Verhaftung von Hauptmann a.D. Nickels, der in seinem Ford eine in eine Zigarrenkiste gebaute Höllenmaschine transportierte, am 10. September 1929 in Krempe, ermöglichte die schnelle Aufklärung aller Anschläge. Schon in den nächsten beiden Tagen wurden 35 Verdächtige in Haft genommen, darunter die gesamte Führungsspitze der Landvolk-Bewegung.“
 
In dem auch als Fernsehserie verfilmten Roman "Bauern, Bonzen und Bomben" von Hans Fallada,damals als Reporter in Neumünster tätig, wo er auch vom Landvolk-Prozess um die Zusammenstöße  am 1.August 1929 in Neumünster berichtete, werden genau diese Ereignisse  dargestellt (sie werden zwar nach Mecklenburg verlegt, aber im Übrigen entspricht die Schilderung exakt  den historischen Ereignissen in Schleswig- Holstein ).
 
Daneben gab es aber auch in Schleswig-Holstein Kämpfe zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, die mehr Opfer kosteten als der Aufstand der Landvolkbewegung (siehe dazu die schleswig-holsteinische Chronologie  1918 bis 1933 in der Übersicht).

Winterhalbjahr 1929/30
Schülerzahl: 17 Knaben, 13 Mädchen. Der Schulbesuch war regelmäßig. Der Schüler Hans Herbert Lembke trat zur Aufbauschule in Ütersen über. Konfirmiert wurden: Hermann Hauschild, Hans Allerding und Johannes Lahn.
 
Sommerhalbjahr 1930
Wir haben den seltenen Fall, daß kein Kind neu zu Ostern in die Schule tritt. Die Schülerzahl beträgt 27, davon 14 Knaben, 13 Mädchen. 
Am 28. Mai wurde das Kindervergnügen abgehalten.
Am 28. Juni 1930 machte die Schule mit Autobus einen Ausflug nach Hamburg. 
Am 26. Juli wurde die Schule durch Herrn Regierungsrat Guthardt, Schleswig und Schulrat Busemann, Hohenwestedt, besichtigt. 
 
Der Besuch des Unterrichts war sehr regelmäßig. Lehrer: Ernst Hencke.

Zum 15. Oktober 1930 hat mich die Regierung In Schleswig zum Hauptlehrer an der vlerklassigen Volksschule in Breiholz, Kreis Rendsburg, ernannt. Agethorst, den  26. Sept. 1930: 
Ernst Hencke, Lehrer
 
Am 16. Oktober 1930 trat ich mein neues Amt in Agethorst an. Ich wurde am 25. Januar 1900 in Gr. Wehden, Kreis Lauenburg, geboren, Meine Jugendzeit verlebte ich in Könnholz, Kr. Schleswig. Von Ostern 1915-18 besuchte ich die Präparanden-Anstalt in Kappein und von Oster 1918-20 das Seminar in Hadersleben mit einer Unterbrechung von 1/2 Jahr, wo ich beim Füsilierregiment Nr.86 eingezogen war. Das letzte Jahr erhielt ich meine Ausbildung am Seminar In Eckernförde, da das Haderslebener Seminar wegen Abtretung aufgelöst werden mußte. Ein Jahr hatte ich Vertretung an der einkl. Schule in Rüde, Kr. Schleswig, dann war ich als stellungsloser Junglehrer 1 1/2 Jahre an einer Großbank In Hamburg tätig. Juni 1924 wurde ich wieder In den Schuldienst nach Grammdorf, Kr. Oldenburg, berufen. Von Januar 1925 bis Dezember 1926 war ich in Kassan, Kr. Oldenburg, angestellt, wo ich im Juli 1926 meine Abschlußprüfung machte. Vom Dezember 1926 bis jetzt war ich an der einkl. Schule In Aasbüttel, Kr. Rendsburg, tätig.  
J. Kirchmann, Lehrer
 
Winterhalbjahr 1930/31
Schülerzahl: 28,  15 Knaben, 13 Mädchen. Am 21. Dezember fand eine Weihnachtsfeier statt . 
Am 5. Februar besichtigte Herr Schulrat Busemann die Schule. 
Am 17 . März fand die ortsübliche Schulprüfung statt, die recht zahlreich besucht war. 
Der Schulbesuch war sehr regelmäßig. 
Konfirmiert wurden: Max Heesch, Hans Wilhelm, Martha Bruhn, Herta Kantz.
 
Sommerhalbjahr 1931
Schülerzahl: 26, 14 Knaben, 12 Mädchen. Schulneulinge: Alma Vohs, Bernhard Holmer, Albert Allerding.
Am 10. Juni 1932 fand das Kinderfest statt. Die ersten Preise errangen: Peter Holmer, Karl Böge, Eise Bruhn und Irma Lange. 
Am 21. Juli macht die Schule einen Ausflug nach Büsum, Meldorf, Burg i.Dithm. Der Schulbesuch war sehr regelmäßig.
 
Winterhalbjahr 1931/32 
Schülerzahl: 26. Am 4. Dez. besuchte Herr Schulrat Busemann die Schule. Am 20. Dez. fand eine Weihnachtsfeier statt. Schulbesuch regelmäßig.
Am 12. März wurden die Konfirmanden Heinr. Pries und Luise Bielfeldt aus der Schule entlassen. 
Zum 1. April wurde aus Ersparungsgründen der Schulaufsichtsbezirk Hohenwestedt aufgelöst. Herr Schulrat Busemann wurde nach Ostfriesland versetzt. Die südliche Ecke des Kreises und damit auch die hiesige Schule, wurden der Aufsicht des Herrn Schulrats in Itzehoe unterstellt.
 
Sommerhalbjahr 1932
Schülerzahl: 28, 14 Knaben. 14 Mädchen. Schulneulinge: Margarete Pries, Marianne Wiebers, Irma Hauschild, Hellmut Tödt.
Am 1. Juni fand das Kinderfest statt. Die ersten Preise erhielten, Johannes Breiholz, Helmut Tödt, Grete Lindemann, Marianne Wiebers. 
Der Schulbesuch war sehr regelmäßig.
Das Schulzimmer erhielt einen neuen Farbanstrich.

Winterhalbjahr 1932/33 
Schülerzahl: 28
Im Februar war die Schule 8 Tage wegen Grippe geschlossen, da über 50% der Kinder fehlten. Auch ein großer Teil der Erwachsenen waren schwer erkrankt. Zwei sind an der Krankheit gestorben, u.a. der letzte Kriegsveteran von 1870/71, Berthold Bruhn im Alter von fast 90 Jahren.
 
Am 29. März fand die ortsübliche Schulprüfung statt. Am gleichen Tage wurden auch die Konfirmanden, Hans- Günter Hebbein, Else Bruhn und Grete Lindemann aus der Schule entlassen."