Schulchronik von Agethorst 1933 - 1939

Das Kapitel wurde  verfasst  von dem  Lehrer Johannes Kirchmann

Hier muss noch einmal darauf hingewiesen werden, dass es sich bei diesem Text (wie bei der gesamten Schulchronik) um einen historischen Text handelt, der nicht heute, sondern zur jeweiligen Zeit verfasst wurde, d.h. diese Seite wurde zwischen 1933 und 1939 verfasst. Ihr Inhalt bringt keinesfalls die Meinung der heutigen Bewohner von Agethorst zum Ausdruck. Wie die Mehrheit der unter dem Nazi-Regime lebenden Agethorster dachte, wissen wir nicht;  es ist in diesem Zusammenhang aber daran zu erinnern, dass bereits ab1945 mit Albert Stange ein ehemaliger KZ-Häftling 50 Jahre lang immer wieder zum Bürgermeister gewählt wurde.

"In diesem Frühjahr haben wir die nationale Revolution erleben dürfen. 
 
Angefangen mit dem 30. Januar, wo sich das nationale Deutschland unter Adolf Hitler zusammenfand, über den 5. März zum 21. März.

Am 24. März wurden In unserer Gemeinde anläßlich der 80jährigen Erhebungsfeier 3 Eichen gepflanzt. Hoffentlich kommt in diesem Jahr auch

noch das Ehrenmal für die Gefallenen.
 
Am 30. März schloß das Schuljahr.

Fackelzug in Flensburg 
am 30. Januar 1933(in Schleswig-Holstein konnte die NSDAP schon 1932 stark Fuß fassen, siehe Wahlergebnisse, auch hier und hier)

Sommerhalbjahr 1933
Schülerzahl: 23, Knaben 11, Mädchen 12.
Der Schulbesuch war regelmäßig.
Am 1. Juni feierte die Schule ihr Kinderfest, die ersten Preise erhielten, Edwin Holmer, Wilh. Pries, Lucla Kanna u. Marianne Wiebers. 
 
Im Sommer wurde der Bau eines Ehrenmals am östlichen Ausgang des Dorfes beschlossen und ausgeführt. Arn 8. Oktober fand die feierliche Einweihung desselben statt. Im selben Monat wurde auf dem Gelände ein

größerer Löschteich geschaffen. Die gärtnerischen Anlagen sollen im Frühjahr 1934 ausgeführt werden. Der Gedenkstein aus schwedischem Granit wurde

von der Firma Fritz Kolbe, Itzehoe; ausgeführt. Der Preis beläuft sich auf 800 RM.

Neu eingetreten sind Johs. Bielfeld, Helge Lindemann und Christel Andresen, 
letztere ist aus Gesundheitsgründen 1 Jahr vom Schulbesuch zurückgestellt.

Gefallenen-Ehrenmal in Agethorst

Die Inschrift des Ehrenmals wurde 1933 formuliert.

Winterhalbjahr 1933/34
Schülerzahl 20: 10 Knaben, 10 Mädchen. 
Am 7. November besucht der Schulrat die Schule. 
Eine Weihnachtsfeier fand In diesem Jahre nicht statt, da das Weihnachtsfest nach dem Wunsche und Willen der Regierung eine Angelegenheit der Familie ist und wieder werden soll.
Am 12. Nov. brachte der neuen Regierung einen völligen Sieg, da eine Abstimmung eine 93% Mehrheit für die Regierung brachte..
Am 14. März 1934 fand die ortsübliche Schulprüfung statt. Aus der Schule entlassen wurden: Lucia Rarnm u. Käte Lindemann. Der Schulbesuch war regelmäßig. Am 24. März schloß das Schuljahr 1933/34.
 
Sommerhalbjahr 1934
Schülerzähl 20, 11 Knaben, 9 Mädchen. Neu eingetreten sind außer Christel Andresen, Kate Wiebers und Rolf Ramm. 
Im Frühjahr wurden die Anpflanzungen beim Ehrenmal durch Gärtnerei J. Peperkorn, Schienefeld gemacht. Preis 300 RM. Nachdem alles fertig ist, bildet dieser Platz eine Zierde für den Ort. Am 31. Mal fand das Kinderfest statt. Die ersten Preise errangen Otto Hauschild, Mary Breiholz, Bernhard Holmer und Kate Wiebers.
 
Winterhalbjahr 1934/35
Schülerzahl 20, 11 Knaben, 9 Mädchen. 
Vom 12. bis 17 Januar war die Schule wegen Grippe geschlossen, der 13. Januar brachte den Sieg an der Saar und der 1. März die Rückkehr zur Heimat. 
Am 20. März fand die Schulprüfung statt. Es wurden entlassen, Edwin Holmer, Johannes Breiholz, Grete Lahann, Mary Breiholz. Am 4. April schloß das Schuljahr 1934/35.

Sommerhalbjahr 1935
Schülerzahl 20, 11 Knaben, 9 Mädchen. Schulneulinge: Günter Holmer, Hans Boe, E. Rehder, Gerda Christen.

Das Schuljahr begann am 23. April. 
Am 1. Mai wurde eine Schulfeier abgehalten, im Mittelpunkt stand eine Übertragung der Jugendkundgebung in Berlin. 
Vom 12. Mal bis zum 6. Juni war der Stud.päd. Siehsenbüttel aus Kiel hier als Helfer im Landschuldienst tätig. Am 4. Juni feierte die Schule Ihr Kinderfest.
Am Tage vorher wurden die Spiele ausgetragen. Die ersten Preise errangen: Otto Hauschild, Grete Pries, Rudolf Ramm und Helga Lindemann. An diesem Fest nahm auch eine Schar des LandjahrheimesWacken teil. Die Mädels, die aus Wiesbaden und Sachsen stammten, verstanden es sehr fein, sich den hiesigen Verhältnissen anzupassen. Auch während des Sommers haben einige von ihnen täglich bei hiesigen Bauern im Hause geholfen.
Am 22. Juni war der Tag der Jugend, dessen Ausgestaltung der H. J. übertragen worden war. 
Am 27. Juni besuchte Schulrat Hannemann die Schule. Auch die südliche Ecke untersteht jetzt dem Schulaufsichtsbezirk Rendsburg.

Am 6. Okt. beging das Dorf festlich den Erntedanktag. Es zeigte sich, daß auch unser Dorf sich auf dem Wege zur Volksgemeinschaft befindet. Der Schulbesuch war Im Sommer regelmäßig.

Winterhalbjahr 1935/36
Das Winterhalbjahr hat bei regelmäßigem Schulbesuch keine besonderen Ereignisse gebracht. 
Am 31. Okt. wurde in der Kirche eine Reformatlonsfeier gehalten.
Am 30. Januar brachte uns den 3 Jahrestag des 3. Reiches. Glelchzeitig wurde an dem Tage des 18. Januar gedacht. 
Am 6. März besuchten die größten Kinder der Schule die Ausstellung &dbquo;Volk u. Rasse" in Rendsburg, wo ihnen die Bedeutung einer gesunden Rassenpflege an Hand von Statistiken, Bildern und Modellen klar vor Augen geführt wurde.
Am 23. März fand die Schulprüfung statt. Damit verbunden war die Entlassung der Konfirmanden, Otto

Hauschild, Bruno Hauschild und Willi Pries.
Von größter Bedeutung, auch für unser Dorf, war der 29. März. Unser Führer hatte sein Volk gerufen, ihm für sein Handeln, vor allem die Wiedergewinnung der Wehrfreiheit im Rhein- land, die Zustimmung zu geben. Fast 99% des Volkes stimmte mit "Ja". In Agethorst war unter 107 Stimmen eine ungültige. 
 
Das Schuljahr schloß am  26. März.

Sommerhalbjahr 1936
Das neue Schuljahr begann am 15. April. Neu eingeschult wurden: Helmut Wiebers, Eggert Holm und Werdine Albertsen. Die Schülerzahl beträgt auch in diesem Jahr 20.
Am 1. Mal beging die Schule in einer Feierstunde den Tag der Deutschen Arbeit. Im Mittelpunkt stand die Jugendkundgebung in Berlin.
Am 1. Juni feierte die Schule ihr Kinderfest. Bei den Spielen errangen die ersten Preise, Bernhard Holmer, Marianne Wiebers, Günter Holmer und Helge Lindemann. 
Am 27. August besuchte Schulrat Hannemann die Schule. 
Am 1. Oktober schloß das Sommerhalbjahr. Der Schulbesuch war regelmäßig.
 
Winterhalbjahr 1936/37
In den Herbstferien wurde vom ganzen Dorfe der Erntedanktag festlich gefeiert. 
Am 31. Oktober wurde durch eine Schulfeier des Reformationstages gedacht.
Am 7. November fand ein Elternabend statt. Er hatte vor allem die Aufgabe, den Eltern unser Schmalfilmgerät zu zeigen. Gezeigt wurden einige Filmstreifen, u. a."der deutsche Weinbau" und "bei den Sachsen in Siebenbürgen ".
Im Januar kam ein Trupp Arbeitsdienst nach Agethorst, um hier Arbeiten an einem Feuerlöschteich zu verrichten. Der A. D. fügte sich schon sehr bald In das Dorfleben ein, vor allem bekamen die Dorfbewohner einen Einblick in das Leben und Treiben des Arbeitsdienstes. Der A. D. wird wohl bis Ende Mal im Dorfe  zu tun haben.
Am 30. Januar wurde eine Feier abgehalten und der geleisteten Arbeit des Führers gedacht.
Am 12. März fand die ortsübliche Schulprüfung, verbunden mit der Konfirmandenentlassung, statt. Zur Entlassung kam nur 1 Knabe, Karl Böge.
Am 25. März schloss das Schuljahr 1936/37. Der Schulbesuch war Im Winter sehr regelmäßig.
 
Sommerhalbjahr 1937
 
Das Schuljahr begann am 13. April, neu eingeschult wurde, Ilse Rehder. Die Schülerzahl beträgt wieder 20. 
Der 1. Mai wurde in gewohnter Weise gefeiert.
Am 4. Juni wurde das Kinderfest gefeiert. Bei den Spielen errangen die ersten Preise: Harald Holmer, Alma Vohs, Günter Holmer und Elli Rehder.
 
Winterhalbjahr 1937/38
Das Erntedankfest wurde unter Beteiligung des ganzen Dorfes gefeiert. 
Am 26. Februar fand ein Elternabend statt, der gut besucht war. Der Abend stand unter dem Gedanken "das Auslandsdeutschtum ". Umrahmt von Liedern stand im Mittelpunkt des Abends der Nordschleswigfilm. 
Der März 1938 brachte uns das Großdeutsche Reich, die Heimat des Führers kehrt ins Reich heim.
Die ortsübliche Schulprüfung konnte nicht abgehalten werden, da das Dorf wegen der sehr stark auftretenden Maul-u. Klauenseuche gesperrt war.
Am 31 März schloß das Schuljahr 1937/38, entlassen wurde der Knabe Harald Holmer.

Sommerhalbjahr 1938
 
Das Schuljahr begann mit der Schulfeier anläßlich des Geburtstages des Führers am 20. April. 
Am 21, April wurden neu eingeschult: Lisa Grau, Marga Hauschild u. Hans-Adolf Holm. Da einige Kinder hinzugekommen sind, beträgt die Schülerzahl in diesem Jahr 25. 
Am 6. Juni fand das Kinderfest statt. Bei den Spielen errangen die ersten Preise: Bernhard und Günter Holmer, Irma und Marga Hauschild. 
Im September machte die Klasse mit dem größten Teil der Elternschaft einen Autoausflug nach Blankenese und Hamburg, Die Fahrt nahm bei herrlichem Wetter einen schönen Verlauf. 
Die Maul-und Klauenseuche hat im Dorf im Laufe des Sommers ziemlichen Schaden angerichtet. 
Der Herbst brachte nach kritischen Tagen die Heimkehr des Sudetenlandes.


Winterhalbjahr 1938/39
Schülerzahl 25, 12 Knaben u. 13 Mädchen. 
Am 10. Januar fand ein Elternabend statt, der mit Liedern und Gedichten und einigen Filmen (unseren Halligen) ausgefüllt war. 
Am 23. März fand die Schulprüfung statt, entlassen wurde Alma Vohs.
 
Der März brachte uns wieder Ereignisse von großer geschichtlicher Bedeutung, die Errichtung des Protektorates Böhmen u. Mähren und die Heimkehr des Memellandes. 
 
Am 24. März schloß das Schuljahr 1938/39.

SA-Mann vor boykottiertem jüdischen Geschäft in Itzehoe