Schulchronik von Agethorst 1945 - 1948

Das Kapitel wurde  verfasst  von der Lehrerin Marga Göttsche und dem  Lehrer Johannes Kirchmann.

8.5.45 
"Heute wurde das Dorf von Engländern besetzt. Die besten Häuser mußten vollkommen geräumt werden.

11.5.45  
Heute verließ die Besatzung unser Dorf wieder.
 
Am 6.7.45 wurde das Dorf zum 2. Mal besetzt. Die Hälfte aller Häuser wurden vollkommen geräumt. 
 
22.8.45
Heute verließ auch diese Besatzung unser Dorf .
 
Am 20.Juli 1945 wurde ich nach fast 6jähriger Zugehörigkeit wieder aus der Wehrmacht entlassen. Zunächst hatte ich längere Zeit Ferien, da die Genehmigung der Militärregierung zwecks Aufnahme des

Unterrichts abgewartet werden mußte. 

Kriegsende: Einzug der Alliierten in Schleswig-Holstein

Am 12.12. traf diese ein, und am 15. Dezember begann wieder der Unterricht. Die Schulen Agethorst und Nienbüttel wurden wieder getrennt. Durch das Anwachsen der im Laufe des Jahres eingetroffenen Flüchtlinge betrug die Schülerzahl am 15.12.45 42 Kinder.

Im Laufe der beiden Monate Januar und Februar 1946 trafen immer neue Flüchtlinge, vor allem aus Ostpreußen und Danzig ein, sodaß die Schülerzahl auf 67 anwuchs. Da im äußersten Fall nur 50 Kinder im Schulraum untergebracht werden können, mußten 2 Schichten eingerichtet werden und zwar 1. u. 2. Schuljahr und 3. - 8. Schuljahr. Die Unterrichtszeit für die einzelnen Schichten mußte entsprechend gekürzt werden. Die Gesamtstundenzahl in der Woche war für die Lehrkraft 36.
 
Das Dorf ist im Augenblick so stark mit Flüchtlingen belegt, daß bald keine Unterbringungsmöglichkeiten mehr bestehen. Die Zahl der Flüchtlinge beträgt beinahe das Doppelte der einheimischen Bevölkerung. 
 
Im März traten einzelne Fälle von Typhuserkrankungen auf, hoffentlich breiten sie sich nicht weiter aus.

Am 5. April schloß das

Schuljahr 1946/47
 
Am 24,4. begann das Sommerhalbjahr. Da kein Kind  lt. Regierungsverfügung entlassen wurde, sondern das 9. Schuljahr zur Pflicht gemacht wurde, stieg die Schülerzahl durch die neu eingeschulten Kinder auf 74. Eingeschult wurden 2 hiesige (Gerhard Kirchmann u. Timm Sievers) und 7 Flüchtlingskinder. Der Schulbesuch war während des Sommerhalbjahres sehr regelmäßig.

Leider sind für die unterrichtliche Tätigkeit sehr viele Schwierigkeiten vorhanden. Einmal Ist, bedingt durch das Flüchtlingsproblem, ein starker Wechsel in der Schülerzahl gegeben. Im Juni traf ein neuer Flüchtlingsstrom ein. Verschiedene Familien sind auch wieder fortgezogen, sodaß am Ende des Sommerhalbjahres die Schülerzahl auf 66 sank. Eine zweite Schwierigkeit liegt in dem Fehlen von Unterrichtsmaterial, so sind Tafeln gar nicht zu erhalten. Hefte gibt es auch nicht In ausreichender Menge. Sehr stark wirkt sich auch besonders auf der Oberstufe das Fehlen von Lehrbüchern aus&dbquo; Durch An- und Abschreiben geht von der an sich schon beschränkten Zelt noch recht viel verloren. Sehr schwer war es auch, alle Kinder auf eine einheitliche Linie zu bringen. Besonders bei den älteren Jahrgängen stellt man Immer wieder Lücken fest, da viele während der Kriegsjahre keinen geregelten Unterricht gehabt haben.
Im Sommerhalbjahr waren die oberen Jahrgänge bei der Suchaktion in der Kartoffelkäferbekämpfung eingesetzt. Regelmäßig jeden Dienstagnachmittag waren 4 Suchgruppen eingesetzt. An einer Stelle wurde auf einem 4qm großen Stück 200 Larven gefunden und abgesammlt, Der Käfer selbst Ist nicht gefunden worden. Wir wollen hoffen, daß sich dieser 
Schädling nicht weiter ausbreitet.

Winterhalbjahr 1946/47
 
Zu Beginn des Halbjahres wurde die Schulspeisung eIngeführt. 70% der Schulkinder nehmen daran teil. Die Sachen werden durch das Schulamt geliefert. In dieser Notzeit wird diese Einrichtung zum Segen für unsere Kinder sein. Jeden Tag erhalten sie dadurch zusätzlich eine warme Mahl zeit. Flüchtlingsfrauen haben sich bereitwillig zur Verfügung gestellt, um die Mahlzeit schmackhaft herzurichten. Große Freunde löste bei den Kindern die Verteilung von Schokolade aus. Jeden 4. Tag gibt es eine kleine Tafel im Werte von 0,20 RM.
 
Der Winter 1946-47 gehört zu den schlimmsten und strengsten des letzten Jahrhunderts. Zum Nahrungsmangel kommt die Feuerungsnot hinzu. Viele Familien sind ohne ausreichende Feuerung und müssen in ungeheizten Zimmern bis 20° und mehr Kälte aushalten. Auch der Schulbesuch leidet darunter. Die Weihnachtsferien werden erst bis zum 15. Januar und anschließend bis 4. Februar verlängert. Da die Schule den größten Teil der Hartfeuerung abgeben mußte, konnte der Schulunterricht erst nach Ostern wieder aufgenommen werden. Der Betrieb wurde notdürftig durch Aufgabenunterricht aufrecht erhalten. Bei dem herrschenden Mangel an Lern-und Schreibmaterial

kam nicht viel Erfreuliches dabei heraus.
 
Die Schulspeisung wurde in der kalten Schule wieder durchgeführt. Sie hat in diesem kalten Winter viel Segen gestiftet, wenn es oft auch nicht leicht war, bei der Kälte und dem Schnee die Nahrungsmittel heranzuschaffen und zuzubereiten. 
 
Die Osterferien wurden gekürzt. Am 2. April 1947 schloß das Schuljahr 1946/47. Aus der Schule wurden entlassen: 2 Einheimische, Lisa Grau u. Marga Hauschild, außerdem Gerd Teske, Erhard Naumann, Kurt Leidereiter und Irene Pfau.

Tagesration 1947

Sommerhalbjahr 1947


Am 9. April begann endlich wieder regelmäßiger Unterricht. Neu eingeschult wurden 7 KInden, Hans-Jakob Hebbein, Manfred Kruse, Gerd-Friedrich Buthmann, Wilfried Demel, Heidi Schröter, Martha Pfau und Lotte Wiek. 2 Mädchen bestanden die Aufnahmeprüfung an der höheren Schule in Itzehoe, nämlich Anni Treptow u. Brigitte Droschinski. 
Die Schülerzahl beträgt 63, nämlich 23 Einheimische und 40 Flüchtlinge, 38 Knaben u. 25 Mädchen. 

Der Schulbesuch war sehr regelmäßig. Anfang Juli trat etwas mehr Keuchhusten in Erscheinung, störte aber der Unterrichtsbetrieb nicht. 
 

Am 12. Juli feierte die Schule nach 5jähriger Unterbrechung wieder in alter Weise ihr Kinderfest. Am Tage vorher fanden die Spiele, diesmal aber nicht um Sach-, sondern um Geldpreise. Die ersten Preise errangen bei den Knaben Gerhard Quildies u. Werner Frohmerk, bei den Mädchen Rosi Schröder und Hannelore Maschke. Durch reichliche Spenden war es uns möglich, alle Kinder, auch die vorschulpflichtigen, reichlich mit Kaffee und Kuchen zu bewirten. 

Der Sommer 1947 zeichnete sich durch ungewöhnliche Trockenheit aus, wodurch der Ernteertrag stark gemindert wurde, so daß man mit Sorgen dem kommenden Winter entgegensieht.  

Die Herbstferien werden wegen der voraussichtlichen Feuerungsnot im Winter auf 4 Tage gekürzt. Das Sommerhalbjahr schloß am 16.Oktober.  

 

Winterhalbjahr 1947/48 

Die Schülerzahl hat sich nicht geändert. Ende Oktober bekam die Schule 80 Zentner Briketts, sodaß die Heizung wieder in Betrieb genommen werden konnte. Bei äußerster Sparsamkeit und nicht zu strengen Winter besteht die Aussicht, den Unterricht Im Winter aufrecht zu erhalten. 

Die Schulspeisung Ist leider auf 25 Portionen zurückgegangen, so daß nur etwa 50% der Normalverbraucher bedacht werden kann. Die Welhnachtsferien dauerten bis  18. Januar. Da der Winter nicht zu streng war, konnte der Unterricht planmäßig durchgeführt werden. 

Im Januar erkrankte Ich an einem Magenleiden. Die Röntgenuntersuchung ergab ein Magengeschwür, das nur durch eine Kur Im Krankenhaus ausgeheilt werden konnte. Ab 1. März mußte deshalb der Unterricht ausfallen. Vom 4.-25. März war Ich Im Krankenhaus In Itzehoe und wurde geheilt entlassen. 

Am 22. März schloß das Schuljahr. Der Schüler Gerhard Rurney und die Schülerin Gerda Fock wurden aus der Schule entlassen. Der Schulbesuch war im letzten Jahr sehr regelmäßig, auch blieb die Schülerzahl das ganze